Gemeinsam in die zukünftige Kirchengemeinde

Gemeindeversammlung präsentierte aktuellen Gemeindehaus-Planungsstand

Oftersheim: Aus gegebenem Anlass hatte das Gemeindeteam St. Kilian zur Gemeindeversammlung in die Kirche St. Kilian im Anschluss an den Gottesdienst eingeladen, denn nach der Pfarreiratswahl im Oktober letzten Jahres sollte auch dieses Gremium neu legitimiert und zudem über den Planungsstand der künftigen Gemeinderäume informiert werden.

Bevor er auf das Gemeindehausprojekt zu sprechen kam, griff Dekan Uwe Lüttinger die aktuellen Probleme im neu bezogenen Kindergarten St. Kilian auf. Dort sei heißes Wasser von der Decke im Erdgeschoss getropft, und aufgrund der verursachten Schäden müsse der geplante Einweihungstermin verschoben werden. Bei dieser Gelegenheit stellte er nochmals die Eigentumsverhältnisse dort klar: Das Erbbaupacht-Grundstück ging an den Bauträger, die politische Gemeinde habe als Mieter der Räume die Trägerschaft des Kindergartens an die Kirchengemeinde übertragen.
Anschließend skizzierte der Dekan kurz die Vorgeschichte der geplanten Gemeinderäume. Weil die Sanierung des Josefshauses von der Erzdiözese Freiburg aus wirtschaftlichen Gründen nicht unterstützt worden wäre, habe man sich nach mehreren Varianten für die jetzige Lösung  entschieden. Die Erteilung einer Baugenehmigung knüpfte Freiburg  wiederum an den Verkauf des Grundstücks, der vor zwei Jahren erfolgt sei. Nach dessen Abwicklung sei die Genehmigung erteilt und ein Architekturbüro beauftragt worden. Zur beratenden Begleitung des Entwurfsprozesses sei eine “Baugruppe” gebildet worden aus Vertretern der verschiedenen Gruppierungen der Kiliansgemeinde.
Anhand einer Präsentation erläuterte Architekt Stephan Dietzel vom beauftragten Büro ap88  in Heidelberg die vorgesehene Raumkomposition. An das Pfarrhaus schließt sich nach Abriss des Anbaus aus den späten 1960erJahren ein eingeschossiger, nicht unterkellerter Baukörper an, dessen Herzstück der sogenannte “Begegnungsraum” für ca. 50-60 Personen bildet. Er umfasst auch die Küche, die Garderobe und das Behinderten-WC, ebenso ein Stuhllager, das bei Bedarf dem Gemeinderaum als Erweiterung zugeschlagen werden kann. Das kleine Foyer mit Eingangsbereich und zentraler Erschließungszone mit barrierefreiem Zugang zum Pfarrhaus-Erdgeschoss öffnet sich sowohl zum Kirchplatz als auch achsial zum Kindergarten über die bestehende Leimbachbrücke. Im Pfarrhaus wird die bisherige Raumstruktur im Erd- und Obergeschoss zur multifunktionalen Nutzung  der Gruppen unter anderem mit mobilen Trennwänden teilweise verändert, im Zuge dessen wird auch die Separierung des Treppenhauses wieder rückgebaut. Im Erdgeschoss sind ferner die Toilettenanlagen angeordnet. Der Dachboden steht als weitere potenzielle Nutzfläche aus Kostengründen nicht zur Verfügung, weil mit dessen Ausbau die Einstufung in eine andere Gebäudeklasse mit erhöhten Brandschutzauflagen einhergehen würde.
Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit entsteht der Anbau als Holzrahmenkonstruktion mit Ausfachungen aus einem gepressten Stroh-Lehm-Gemisch und damit in völlig schadstofffreier Bauweise aus nachwachsenden Rohstoffen. Analog dazu wird auf dem Pultdach des Begegnungsraumes eine Photovoltaikanlage installiert, das Flachdach des übrigen Baukörpers erhält im Sinne der Biodiversität als Grünzone eine spezielle Bepflanzung. Hier ist auch der Standort für die Wärmepumpe, die den Neubau über eine Fußboden- und die Räume des Pfarrhauses über eine Deckenheizung versorgt. Dieses Pilotprojekt an Optimierung wird fachlich betreut von Katharina Schindelmeier, Referentin für Nachhaltigkeit kirchliches Bauen am Erzbischöflichen Bauamt Heidelberg. Diese Art der Nachhaltigkeitsbegleitung gibt es bisher innerhalb des Erzbistums nur in Oftersheim und setzt damit ein wegweisendes Zeichen für Klimaneutralität und Bewahrung der Schöpfung.
Dekan Lüttinger ging abschließend noch auf den Kostenrahmen ein, der sich aus Verkaufserlös, Rücklagen, Darlehen und Eigenmitteln zusammensetzt vor dem Hintergrund zurückgehender Finanzen. Der Baubeginn ist nach derzeitiger Einschätzung im September vorgesehen, mit der Fertigstellung ist im Frühjahr 2028 zu rechnen.
Nach so viel Information hatte das Gemeindeteam einen Umtrunk mit kleinem Imbiss im hinteren Kirchenraum vorbereitet, der einen willkommenen Anlass zum persönlichen Austausch auch mit den Referenten bot, nicht zuletzt angesichts der ausgestellten aktualisierten Pläne, die weiterhin von allen Interessenten in St. Kilian eingesehen werden können.        
Hans-Peter Sturm